Ich neige zu kalten Füßen. Was Wunder, ich bin eine Frau ...! Also müssen warme Socken her. Die sind so wohltuend, aber das genügt mir nicht. Sie sollten auch schön sein. Deshalb gefällt mir "Das große CraSyTrioSockenbuch" von Sylvie Rasch so gut. In einem großen Grundkurs zeigt es alles, was man übers Sockenstricken wissen muss.
Zunächst einmal gilt es sich zu entscheiden, wie Sie ihre Socken stricken wollen: TopDown oder ToeUp, also von oben nach unten oder von den Zehen bis zum oberen Abschluss? Sie entdecken zahlreiche Möglichkeiten, Fersen und Spitzen zu stricken. Herzchen-Ferse oder Bumerang-Ferse, um zwei Beispiele zu nennen, was wäre Ihnen lieber? Schneckenspitze oder ToeUp-Propellerspitze, worauf fällt Ihre Wahl? Und dann diese Auswahl an Mustern und Farben ...!
Drei verschiedene Schwierigkeitsgrade stehen zur Wahl. Als Anfänger oder Anfängerin werden Sie sich also nicht gleich an die toll gemusterten Socken mit dem Namen "1001 Nacht" heranwagen - aber der Mensch braucht ja Ziele. Zunächst beginnen Sie vielleicht mit "Under the Sea", Socken, die in ihrer frischen Farbigkeit, vorgegeben durch den Farbverlauf der Wolle, an eine wohltuende Meeresbrise erinnern und mit einem einfach zu strickenden Muster am Schaft einfach toll aussehen. Und das bei Schwierigkeitsstufe 1.
Die Autorin: Für Sylvie Rasch ist kreativ zu sein wie atmen - sie kann nicht anders. Mit ihrer Tochter und ihrer französischen Bulldogge Werner lebt sie in Berlin. Sie liebt Unkonventionelles und vermittelt auch schwierige Techniken mit einladender Leichtigkeit - nicht zuletzt über You-Tube-Videos.
Sylvie Rasch, Das große CraSyTrioSockenbuch, TOPP, Frech-Verlag 2019, 96 Seiten, 17,99 Euro.
Ich liebe Bücher - deshalb schreibe ich hier mit Vergnügen darüber. Meine Präferenzen: Kreativität, Psychologie, Gesundheit, Lebenshilfe, Spiritualität.
Mittwoch, 23. Januar 2019
Dienstag, 18. Dezember 2018
Religion und Spiritualität - Kernpraktiken wissenschaftlich erklärt
In seinem Buch "Die Wiederentdeckung der Spiritualität" erklärt Rupert Sheldrake sieben religiöse Praktiken im Fokus der Wissenschaft. Solche Praktiken sind weit verbreitet und stellen konkrete Übungsformen dar:
Das hier sind die sieben im Buch besprochenen Praktiken, die der Autor alle aus eigener Erfahrung kennt:
In einem achten und abschließenden Kapitel stellt Sheldrak spirituelle Bräuche in einem säkularen Zeitalter - wie es sie nie zuvor in der menschlichen Geschichte gegeben hat - schlussfolgernd dar, indem er sie Bezug stellt zu verschiedenen geschichtlichen Epochen und Lebensbedingungen und zur modernen Wissensvermittlung.
Der Autor: Rupert Shaldrake, Jahrgang 1942, englischer Biologe und Bestsellerautor, gehört zu den Vorreitern eines neuen ganzheitlichen Weltbildes, das Naturwissenschaft und Spiritualität miteinander verbindet. Seine Theorie der morphogenetischen Felder entwirft die Vision eines lebenden, sich entwickelnden Universums, das über eine eigene Form von Gedächtnis verfügt. Der Autor, der auch die Bücher "Das Gedächtnis der Natur" und "Der Wissenschaftswahn" schrieb, hält weltweit Vorträge.
Rupert Sheldrake, Die Wiederentdeckung der Spiritualität, Verlag O.W.Barth 2018, gebunden mit Schutzumschlag.
- Gebete
- Rituale
- Musik und Tanz
- Verbindung mit der Natur
- Pilgerreisen
- das Prinzip Dankbarkeit
Das hier sind die sieben im Buch besprochenen Praktiken, die der Autor alle aus eigener Erfahrung kennt:
- Meditation und die Natur des Geistes (und was Meditation uns über den Geist lehrt ...)
- Der Fluss der Dankbarkeit (nicht nur bei anderen ...)
- Im Kontakt mit der mehr-als-menschlichen Welt (gibt es doch im Universum mit seinen Milliarden von Galaxien unendlich mehr außermenschliche als von uns geformte Natur ...)
- Unsere Beziehung zu Pflanzen (die Sheldrake schon als Kind liebte ...)
- Rituale (wie etwa rituelles Opfern ...) und die Präsenz der Vergangenheit
- Gesang, Sprechgesang und die Macht der Musik (von Mantras bis zu den psychosozialen Effekten gemeinschaftlichen Singens ...)
- Pilgerreisen und heiligen Stätten (inklusive zwei Pilgerübungen ...)
In einem achten und abschließenden Kapitel stellt Sheldrak spirituelle Bräuche in einem säkularen Zeitalter - wie es sie nie zuvor in der menschlichen Geschichte gegeben hat - schlussfolgernd dar, indem er sie Bezug stellt zu verschiedenen geschichtlichen Epochen und Lebensbedingungen und zur modernen Wissensvermittlung.
Der Autor: Rupert Shaldrake, Jahrgang 1942, englischer Biologe und Bestsellerautor, gehört zu den Vorreitern eines neuen ganzheitlichen Weltbildes, das Naturwissenschaft und Spiritualität miteinander verbindet. Seine Theorie der morphogenetischen Felder entwirft die Vision eines lebenden, sich entwickelnden Universums, das über eine eigene Form von Gedächtnis verfügt. Der Autor, der auch die Bücher "Das Gedächtnis der Natur" und "Der Wissenschaftswahn" schrieb, hält weltweit Vorträge.
Rupert Sheldrake, Die Wiederentdeckung der Spiritualität, Verlag O.W.Barth 2018, gebunden mit Schutzumschlag.
Montag, 17. Dezember 2018
OPC - Traubenkernextrakt als Vitalstoff, der Frauen länger leben lässt
Vor vielen Jahren sah ich in einem Buch die beeindruckende Illustration eines Jungbrunnens. An der einen Seite stiegen alte, verbrauchte, runzelige, buckelige Menschen hinein, an der anderen kamen junge, frische, lebensfrohe wieder heraus. Das hätte ich zu gern einmal live gesehen oder - in späteren Jahren - selbst ausprobiert. Inzwischen erscheint es mir Erfolg versprechender, auf andere Methoden zurückgreifen, um möglichst lange jung zu bleiben, möglichst lange zu leben. Und da kommt OPC ins Spiel. Das Traubenkernextrakt gilt als stärkstes Antioxidans, als Anti-Aging-Geschenk der Natur - mit verjüngender Wirkung auf
Anne Simons, die seit den 1990er-Jahren in engem Austausch mit dem französischen Wissenschaftler Prof. Dr. Jack Masquelier stand, der die Heilwirkung der Trauenkerne 1948 erstmals entdeckte, hat OPC im deutschsprachigen Raum bekannt gemacht.
Gegliedert nach Symptomen, zeigt die Gesundheitsexpertin in ihrem Buch "Frauen leben länger mit OPC", inklusive Dosierempfehlungen, Anwendungsmöglichkeiten und medizinischem Hintergrundwissen, wie man den Stoff für die körperliche Gesundheit - bei typisch weiblichen Beschwerden - und für die weibliche Schönheit Gewinn bringend einsetzen kann. Auch die weibliche Psyche, so heißt es, profitiere.
Ein "kleiner OPC-Crashkurs" klärt in zwei Kapiteln auf über die Wirkungsweise von OPC, unterteilt in theoretisches und praktisches Wissen. In den folgenden drei Kapiteln geht es darum,
Die Autorin: Anne Simons ist als Sachbuchautorin zu zahlreichen Gesundheitsthemen erfolgreich. Mit dem Entdecker des OPC-Traubenkernextrakts Prof. Dr. Masquelier verband sie eine langjährige Freundschaft. Sie hat bereits zwei Bücher über OPC veröffentlicht, die Bestseller wurden.
Anne Simons, Frauen leben länger mit OPC, Der Vitalstoff ür körperliche Gesundheit, strahlende Schönheit und eine entspannte Psyche, Verlag Knaur Menssana 2018, Klappenbroschur, 187 Seiten, 19,99 Euro.
- Haut
- Gewebe
- Sehnen
- Knochen
Anne Simons, die seit den 1990er-Jahren in engem Austausch mit dem französischen Wissenschaftler Prof. Dr. Jack Masquelier stand, der die Heilwirkung der Trauenkerne 1948 erstmals entdeckte, hat OPC im deutschsprachigen Raum bekannt gemacht.
Gegliedert nach Symptomen, zeigt die Gesundheitsexpertin in ihrem Buch "Frauen leben länger mit OPC", inklusive Dosierempfehlungen, Anwendungsmöglichkeiten und medizinischem Hintergrundwissen, wie man den Stoff für die körperliche Gesundheit - bei typisch weiblichen Beschwerden - und für die weibliche Schönheit Gewinn bringend einsetzen kann. Auch die weibliche Psyche, so heißt es, profitiere.
Ein "kleiner OPC-Crashkurs" klärt in zwei Kapiteln auf über die Wirkungsweise von OPC, unterteilt in theoretisches und praktisches Wissen. In den folgenden drei Kapiteln geht es darum,
- den Körper lange gesund zu erhalten - etwa vorbeugend gegen Allergien oder Entzündungen
- bis ins hohe Alter schön zu sein - mit vollem glänzenden Haar, schlank, mit schönen Beinen ohne Besenreiser und gesunden Zähnen bis ans Lebensende
- die Psyche zu stärken und chronische Erschöpfung und Burn-out-Syndrom in Vitalität zu verwandeln
Die Autorin: Anne Simons ist als Sachbuchautorin zu zahlreichen Gesundheitsthemen erfolgreich. Mit dem Entdecker des OPC-Traubenkernextrakts Prof. Dr. Masquelier verband sie eine langjährige Freundschaft. Sie hat bereits zwei Bücher über OPC veröffentlicht, die Bestseller wurden.
Anne Simons, Frauen leben länger mit OPC, Der Vitalstoff ür körperliche Gesundheit, strahlende Schönheit und eine entspannte Psyche, Verlag Knaur Menssana 2018, Klappenbroschur, 187 Seiten, 19,99 Euro.
Sonntag, 16. Dezember 2018
Jost Bauch: Abschied von Deutschland und den "Biodeutschen"?
Die "Biodeutschen" werden durch sinkende Geburtenraten tendenziell immer weniger. Die Zuwanderungswellen führen, so der Soziologe Prof. Dr. Jost Bauch in seinem Buch "Abschied von Deutschland", zu einem "gigantischen Bevölkerungsaustausch". Ist das so? Und wenn ja, können, sollten, wollen wir etwas dagegen tun? Und wenn ja, was wäre gerecht und aus humanitären Gründen überhaupt vertretbar?
Vielleicht geht es Ihnen ähnlich wie mir: Ich bin in der Stadt unterwegs und habe oft das Gefühl, mehr Migranten zu sehen als Deutsche. Obwohl ich versuche, durchaus fremdenfreundlich und ohne Vorurteile zu sein, ist das ein seltsames, Besorgnis erregendes Gefühl.
Das Buch mit dem Untertitel "Eine politische Grabschrift" ist, wie man sich denken kann und bereits die Hauptüberschriften der Kapitel beweisen, ein wissenschaftliches, entsprechend mit Fremdwörtern gespicktes Werk, und keine leichte Lektüre. Eher eine erschütternde - was sie sicherlich und im besten Sinne auch sein soll. Es geht um
Das Buch endet mit einem Nachwort mit "sehr persönlichen Bemerkungen", ziemlich deutlich rechts orientiert, von Karl Albrecht Schachtschneider, der, ebenso wie Bauch, wenig Hoffnung sieht für das deutsche Deutschland und eine weltweite Tyrannei vorhersagt. "Vor Vereinigten Staaten von Europa kann man sich nur fürchten." Bauch rühmt er als einen Menschen, der immer schon den Mut gehabt habe, seine fachlichen Erkenntnissen nicht einer Karriere zu opfern. "Nur wer hat schon die Persönlichkeit eines Jost Bauch?"
Der Autor: Jost Bauch, Jahrgang 1949, Studium der Soziologie, Promotion in allgemeiner und theoretischer Soziologie, Habilitation. Von 1999 bis 2014 apl. Pprofessor an der Universität Konstanz, Lehraufträge in Köln, Luzern und Stuttgart. Seit 2014 zusammen mit K. A. Schachtschneider Präsident des Studienzentrums Weikersheim. Zahlreiche Veröffentlichungen, darunter übe 100 wissenschaftliche Aufsätze zur Soziologie und Medizinsoziologie.
Mein persönliches Nachwort: Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar bestellt, weil mich die brisante Thematik interessiert. In einem Blog "für mehr Lebensfreude" scheint es nichts zu suchen zu haben, es sei denn, wir würden als Leser und Leserinnen lernen, problembewusster hinzusehen, uns stark und mutig zu engagieren und vielleicht doch noch das eine oder andere zu ändern. Da, wo das nicht möglich zu sein scheint, aber auch dankbar für all das Positive und Liebevolle und Kluge unter den Menschen zu sein, das eben auch (schon oder noch) existiert. Und das zu stärken ...!
Vielleicht geht es Ihnen ähnlich wie mir: Ich bin in der Stadt unterwegs und habe oft das Gefühl, mehr Migranten zu sehen als Deutsche. Obwohl ich versuche, durchaus fremdenfreundlich und ohne Vorurteile zu sein, ist das ein seltsames, Besorgnis erregendes Gefühl.
Das Buch mit dem Untertitel "Eine politische Grabschrift" ist, wie man sich denken kann und bereits die Hauptüberschriften der Kapitel beweisen, ein wissenschaftliches, entsprechend mit Fremdwörtern gespicktes Werk, und keine leichte Lektüre. Eher eine erschütternde - was sie sicherlich und im besten Sinne auch sein soll. Es geht um
- Massengesellschaft und technokratische Politik
- Die politische Überdehnung der Technokratie
- Die deutsche Moralhypertrophie
- Opfermythologie
- Nekrolog: das Ende Deutschlands oder die Entstehehung eines Neuen Deutschlands?
- die "Blinden", die das Problem überhaupt nicht auf dem Schirm haben
- die Verzagten, die die Tragödie lieber nicht sehen wollen
- die Gruppe der Indefferenten, denen alles egal ist
- die Gruppe derer, die die Selbstabschaffung aktiv betreibt und schließlich
- die Gruppe derjenigen, die sich wehrt
Das Buch endet mit einem Nachwort mit "sehr persönlichen Bemerkungen", ziemlich deutlich rechts orientiert, von Karl Albrecht Schachtschneider, der, ebenso wie Bauch, wenig Hoffnung sieht für das deutsche Deutschland und eine weltweite Tyrannei vorhersagt. "Vor Vereinigten Staaten von Europa kann man sich nur fürchten." Bauch rühmt er als einen Menschen, der immer schon den Mut gehabt habe, seine fachlichen Erkenntnissen nicht einer Karriere zu opfern. "Nur wer hat schon die Persönlichkeit eines Jost Bauch?"
Der Autor: Jost Bauch, Jahrgang 1949, Studium der Soziologie, Promotion in allgemeiner und theoretischer Soziologie, Habilitation. Von 1999 bis 2014 apl. Pprofessor an der Universität Konstanz, Lehraufträge in Köln, Luzern und Stuttgart. Seit 2014 zusammen mit K. A. Schachtschneider Präsident des Studienzentrums Weikersheim. Zahlreiche Veröffentlichungen, darunter übe 100 wissenschaftliche Aufsätze zur Soziologie und Medizinsoziologie.
Mein persönliches Nachwort: Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar bestellt, weil mich die brisante Thematik interessiert. In einem Blog "für mehr Lebensfreude" scheint es nichts zu suchen zu haben, es sei denn, wir würden als Leser und Leserinnen lernen, problembewusster hinzusehen, uns stark und mutig zu engagieren und vielleicht doch noch das eine oder andere zu ändern. Da, wo das nicht möglich zu sein scheint, aber auch dankbar für all das Positive und Liebevolle und Kluge unter den Menschen zu sein, das eben auch (schon oder noch) existiert. Und das zu stärken ...!
Samstag, 15. Dezember 2018
Ein Psychogramm der arabischen Seele von Burkhard Hofmann
Es ist mir wichtig, andere Menschen so gut wir möglich zu verstehen. Dass es eine Anmaßung wäre, sich einzubilden, ich verstünde sie wirklich, ist klar. Aber ich möchte wenigstens so viel wie möglich wissen, um möglichen Vorurteilen die Spitze zu nehmen und die richtige Richtung einzuschlagen. Nun ist mir das Buch "Und Gott schuf die Angst" von Burkhard Hofmann begegnet. Der Untertitel: "Ein Psychogramm der arabischen Seele".
Als Pressefrau war ich mehrmals zum Fastenbrechen in die hiesige Moschee eingeladen. Privat war ich beim Tag der offenen Tür in der Hamburger Moschee. Ich habe Flüchtlinge aus dem arabischen Raum im Rahmen eines Alphabetisierungskurses unterrichtet. Im Ganztagsbereich unterrichte ich auch arabische Kinder. All das hat mein Interesse geweckt. Mit dem vorliegenden Buch möchte ich mehr erfahren als das, was man mir bisher - in mehr oder weniger gebrochenem Deutsch - mitgeteilt hat.
Schon bald bin ich vertieft in das Buch und tauche ein in eine andere Welt, erfahre im Rahmen von zehn Fallbeispielen spannende Geschichten aus einer noch immer durch das Zusammenleben in Großfamilien organisierten Gesellschaft, in der seelische Probleme eher als das reibungslose Funktionieren störend empfunden und mit Medikamenten weggepustet werden. Vorgestellt werden verschiedene psychische Problembereiche und deren Ursachen. Da ist zum Beispiel die Geschichte des "zugedröhnten Narziss", eines in Hamburg behandelten arabischen Klienten, bei dem Hofmann sich zunächst zusammennehmen muss, um ihm die nötige Empathie entgegenbringen zu können. Es handelt sich um einen Mann aus wohlhabendem Haus, der seine Frau, eine Cousine, die er als intelligente Karrierefrau zunächst bewundert, vor allem aus Rache wegen einer verschmähten Liebe geheiratet hat. Nun hat sie einen Säugling, sein Kind, das er nicht lieben kann. Mutter und Kind sind mit allen möglichen Bediensteten versorgt, aber beide Eheleute sind unglücklich. Die Chemie passt nicht, die Situation eskaliert immer mehr. In Wirklichkeit nämlich liebt der erfolgreiche Investmentmanager seine Freundin. Die aber ist als Polizistin und Schiitin von ihrem Stand und ihrer Religion her gesellschaftlich inakzeptabel. Er seinerseits will nicht all seinen Wohlstand aufs Spiel setzen. "So weit eine ganz normale Geschichte aus dem großen Topf des menschlichen Lebens", scheibt Hofmann, der sich zugleich fragt, wie man gerade in solch einem Umfeld mit einer "für alle Beteiligten nur unter Schmerzen" lösbaren Situation umgehen soll.
Von den persischen oder ägyptischen Psychiatern wird der Mann, der behauptet, ohne Medikamente 72 Stunden lang nicht schlafen zu können, so wie es in arabischen Ländern bei psychischen Störungen nicht unüblich ist, wegen seiner schwerwiegenden Depression mit Psychopharmaka abgefüllt - mit fünf verschiedenen zugleich. Dazu kommt eine Selbstmedikation mit Alkohol, Nikotin und zeitweise mit Haschisch. Im Laufe der schwierigen Behandlung - der Klient zeigt ein starkes Vermeidungsverhalten - kommt Hofmann schließlich an die Wurzel des Übels heran und es gelingt ihm, dem 30jährigen, seit seiner Kindheit emotional vernachlässigten Spätpubertären, der vom Hauptberuf her verwöhnter Sohn ist, in Richtung Selbstfindung zu bewegen. ...
Das Buch berichtet von der immensen Bedeutung des Glaubens an Allah, die bei den Gläubigen alles andere überstrahlt - auch wenn "normale" Bedürfnisse unterschiedlichster At durchaus vorhanden sind. Es erzählt von der Beziehung der Familienmitgliedern zueinander. Es beleuchtet widersprüchliche Sicht- und Verhaltensweisen auch innerhalb ein- und derselben Person und die Probleme, die daraus erwachsen. Es zeichnet ein buntes Bild der arabischen Welt, lässt aber auch die innere Welt des Autors selbst nicht unerwähnt.
Der Autor: Dr. Burkhard Hofmann, Jahrgang 1954, arbeitet seit 1991 als niedergelassener Facharzt für Psychotherapeutische Medizin im eigener Praxis in Hamburg-Harvestehude. Schon früh kam er über private Beziehungen in Kontakt mit der arabischen Welt, was zu einem größeren Anteil muslimischer Patienten in seiner Praxis führte. Ein Kontakt erbrachte eine Einladung an den Persischen Golf, wo Hofmann seit zehn Jahren regelmäßig Patienten behandelt.
Burkhard Hofmann, Und Gott schuf die Angst, Verlag Droemer 2018, gebunden mit Schutzumschlag, 285 Seiten, 19,99 Euro.
Als Pressefrau war ich mehrmals zum Fastenbrechen in die hiesige Moschee eingeladen. Privat war ich beim Tag der offenen Tür in der Hamburger Moschee. Ich habe Flüchtlinge aus dem arabischen Raum im Rahmen eines Alphabetisierungskurses unterrichtet. Im Ganztagsbereich unterrichte ich auch arabische Kinder. All das hat mein Interesse geweckt. Mit dem vorliegenden Buch möchte ich mehr erfahren als das, was man mir bisher - in mehr oder weniger gebrochenem Deutsch - mitgeteilt hat.
Schon bald bin ich vertieft in das Buch und tauche ein in eine andere Welt, erfahre im Rahmen von zehn Fallbeispielen spannende Geschichten aus einer noch immer durch das Zusammenleben in Großfamilien organisierten Gesellschaft, in der seelische Probleme eher als das reibungslose Funktionieren störend empfunden und mit Medikamenten weggepustet werden. Vorgestellt werden verschiedene psychische Problembereiche und deren Ursachen. Da ist zum Beispiel die Geschichte des "zugedröhnten Narziss", eines in Hamburg behandelten arabischen Klienten, bei dem Hofmann sich zunächst zusammennehmen muss, um ihm die nötige Empathie entgegenbringen zu können. Es handelt sich um einen Mann aus wohlhabendem Haus, der seine Frau, eine Cousine, die er als intelligente Karrierefrau zunächst bewundert, vor allem aus Rache wegen einer verschmähten Liebe geheiratet hat. Nun hat sie einen Säugling, sein Kind, das er nicht lieben kann. Mutter und Kind sind mit allen möglichen Bediensteten versorgt, aber beide Eheleute sind unglücklich. Die Chemie passt nicht, die Situation eskaliert immer mehr. In Wirklichkeit nämlich liebt der erfolgreiche Investmentmanager seine Freundin. Die aber ist als Polizistin und Schiitin von ihrem Stand und ihrer Religion her gesellschaftlich inakzeptabel. Er seinerseits will nicht all seinen Wohlstand aufs Spiel setzen. "So weit eine ganz normale Geschichte aus dem großen Topf des menschlichen Lebens", scheibt Hofmann, der sich zugleich fragt, wie man gerade in solch einem Umfeld mit einer "für alle Beteiligten nur unter Schmerzen" lösbaren Situation umgehen soll.
Von den persischen oder ägyptischen Psychiatern wird der Mann, der behauptet, ohne Medikamente 72 Stunden lang nicht schlafen zu können, so wie es in arabischen Ländern bei psychischen Störungen nicht unüblich ist, wegen seiner schwerwiegenden Depression mit Psychopharmaka abgefüllt - mit fünf verschiedenen zugleich. Dazu kommt eine Selbstmedikation mit Alkohol, Nikotin und zeitweise mit Haschisch. Im Laufe der schwierigen Behandlung - der Klient zeigt ein starkes Vermeidungsverhalten - kommt Hofmann schließlich an die Wurzel des Übels heran und es gelingt ihm, dem 30jährigen, seit seiner Kindheit emotional vernachlässigten Spätpubertären, der vom Hauptberuf her verwöhnter Sohn ist, in Richtung Selbstfindung zu bewegen. ...
Das Buch berichtet von der immensen Bedeutung des Glaubens an Allah, die bei den Gläubigen alles andere überstrahlt - auch wenn "normale" Bedürfnisse unterschiedlichster At durchaus vorhanden sind. Es erzählt von der Beziehung der Familienmitgliedern zueinander. Es beleuchtet widersprüchliche Sicht- und Verhaltensweisen auch innerhalb ein- und derselben Person und die Probleme, die daraus erwachsen. Es zeichnet ein buntes Bild der arabischen Welt, lässt aber auch die innere Welt des Autors selbst nicht unerwähnt.
Der Autor: Dr. Burkhard Hofmann, Jahrgang 1954, arbeitet seit 1991 als niedergelassener Facharzt für Psychotherapeutische Medizin im eigener Praxis in Hamburg-Harvestehude. Schon früh kam er über private Beziehungen in Kontakt mit der arabischen Welt, was zu einem größeren Anteil muslimischer Patienten in seiner Praxis führte. Ein Kontakt erbrachte eine Einladung an den Persischen Golf, wo Hofmann seit zehn Jahren regelmäßig Patienten behandelt.
Burkhard Hofmann, Und Gott schuf die Angst, Verlag Droemer 2018, gebunden mit Schutzumschlag, 285 Seiten, 19,99 Euro.
Freitag, 14. Dezember 2018
Das Einmaleins des guten Schlafs - mit 3-Wochen-Programm
75 Prozent der Deutschen, so fand man heraus, schlafen zwischen sechs
und acht Stunden täglich. Die optimale Schlafdauer sei dabei individuell
und genetisch vorgegeben. Mich hat ja noch keiner persönlich gefragt von den einschlägigen Forschern, aber ich habe auch schon besser geschlafen - als ich noch jünger war, viel jünger. Spätestens seit den Wechseljahren schlafe ich nicht mehr durch, schlafe schwer ein und werde oft allzu früh am Tag wach. Rastlosigkeit, innere Unruhe, beständiges Grübeln behindern mich - so ein Mist! Die pflanzlichen Mittelchen habe ich schon durch, an einer Schlafapnoe leide ich nicht, Entspannungsübungen helfen nur selten. Gelegentlich denke ich darüber nach, dass meine Oma bis zu ihrem Tod mit Mitte 80 schon seit vielen Jahren nur noch vier Stunden die Nacht schlief. Dabei lebte sie allein und hätte so viel Zeit und Gelegenheit zum Schlafen gehabt. Schon tragisch ...!
Jeder Dritte schläft schlecht, jeder Vierte zu wenig. Hip ist, wer mit wenig Schlaf auskommt und dabei maximal leistungsfähig bleibt. Das findet Schlafforscher Hans-Günter Weeß gar nicht lustig. Er warnt vor chronischen Folgen von Schlafstörungen auf unser Herz-Kreislauf-System und unsere Psyche. "Nur wer ausreichend schläft, erhöht seine Karrierechancen langfristig", sagt er. Konsequenterweise schrieb er gleich ein Buch über dieses "wichtigste Drittel unseres Lebens". Der Titel: "Schlaf wirkt Wunder". Das ebenso informative wie unterhaltsame Werk nimmt den Schlaf mit all seinen Facetten - vom Frühlingsschlaf bis zum Schlafverhalten in der Partnerschaft, mit oder ohne Schnarchen, vom Restless-Legs-Syndrom bis zum schlafwandelnden Gattenmord - ausgiebig unter die Lupe und liefert auch gleich noch ein 3-Wochen-Programm für gesunden Schlaf. Der wirkt Wunder? - Glaube ich sofort. Wenn ich doch nur auch endlich wieder ... Gesunder Schlaf fördert nämlich unsere Gesundheit, stärkt das Gedächtnis und macht auch noch schön. Also, ich glaube, ich sehe mir das mit diesem 3-Wochen-Programm mal näher an. Samt Tipps zum Führen eines Schlaftagebuchs, Techniken für das abendliche Zubettgehen und dem Lernen aus Fehlern. Und dann probiere ich das Programm komplett aus ...! Wenn es nicht hilft, kann ich ja immer noch eine Schlaftherapiegruppe besuchen oder so. Oder ich lese das Schlafbuch von Herrn Weeß, obwohl ich sonst so gern quer lese, von vorne bis ganz nach hinten - dann nämlich werde ich wirklich gründlich Bescheid wissen, was es mit dem Schlaf und seinen Störungen so auf sich hat.
Der Autor: Dr. phil. Dipl.-Psych Hans-Günter Weeß ist psychologischer Psychotherapeut und Somnologe. Er leitet die Schlafmedizinische Abteilung des Pfalzklinikums Klingenmünster und ist als Dozent an der Universität Koblenz-Landau tätig. Seit 2008 ist er Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin.
Hans-Günter Weeß, Schlaf wirkt Wunder, Droemer-Verlag 2018, Klappenbroschur, 330 Seiten, 16,99 Euro.
Jeder Dritte schläft schlecht, jeder Vierte zu wenig. Hip ist, wer mit wenig Schlaf auskommt und dabei maximal leistungsfähig bleibt. Das findet Schlafforscher Hans-Günter Weeß gar nicht lustig. Er warnt vor chronischen Folgen von Schlafstörungen auf unser Herz-Kreislauf-System und unsere Psyche. "Nur wer ausreichend schläft, erhöht seine Karrierechancen langfristig", sagt er. Konsequenterweise schrieb er gleich ein Buch über dieses "wichtigste Drittel unseres Lebens". Der Titel: "Schlaf wirkt Wunder". Das ebenso informative wie unterhaltsame Werk nimmt den Schlaf mit all seinen Facetten - vom Frühlingsschlaf bis zum Schlafverhalten in der Partnerschaft, mit oder ohne Schnarchen, vom Restless-Legs-Syndrom bis zum schlafwandelnden Gattenmord - ausgiebig unter die Lupe und liefert auch gleich noch ein 3-Wochen-Programm für gesunden Schlaf. Der wirkt Wunder? - Glaube ich sofort. Wenn ich doch nur auch endlich wieder ... Gesunder Schlaf fördert nämlich unsere Gesundheit, stärkt das Gedächtnis und macht auch noch schön. Also, ich glaube, ich sehe mir das mit diesem 3-Wochen-Programm mal näher an. Samt Tipps zum Führen eines Schlaftagebuchs, Techniken für das abendliche Zubettgehen und dem Lernen aus Fehlern. Und dann probiere ich das Programm komplett aus ...! Wenn es nicht hilft, kann ich ja immer noch eine Schlaftherapiegruppe besuchen oder so. Oder ich lese das Schlafbuch von Herrn Weeß, obwohl ich sonst so gern quer lese, von vorne bis ganz nach hinten - dann nämlich werde ich wirklich gründlich Bescheid wissen, was es mit dem Schlaf und seinen Störungen so auf sich hat.
Der Autor: Dr. phil. Dipl.-Psych Hans-Günter Weeß ist psychologischer Psychotherapeut und Somnologe. Er leitet die Schlafmedizinische Abteilung des Pfalzklinikums Klingenmünster und ist als Dozent an der Universität Koblenz-Landau tätig. Seit 2008 ist er Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin.
Hans-Günter Weeß, Schlaf wirkt Wunder, Droemer-Verlag 2018, Klappenbroschur, 330 Seiten, 16,99 Euro.
Christian Bommarius: 1949 - Das lange deutsche Jahr
"1949 - Das lange deutsche Jahr" - so heißt das Buch von Christian Bommarius, das sich mit dem Jahr der doppelten Staatsgründung und dem so schwierigen Beginn der zweiten Demokratie auf deutschem Boden auseinandersetzt. Es könnte sich unter so manchem Weihnachtsbaum von politisch und historisch interessierten Menschen sehr gut machen. Bommarius ist ein lebendiges, detailreiches Panorama der Nachkriegsjahre gelungen. Monat für Monat, beginnend im Juli 1948, endend im Dezember 1949,
beschreibt der Autor deutlich und anschaulich, was Sache war. Zunächst
jeweils in einer kurzen Zusammenfassung der wichtigsten Vorkommnisse,
dann en detail und aus unterschiedlichsten Blickwinkeln. Er präsentiert Episoden aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Alltagsleben und lässt zahlreiche Menschen lebendig werden in ihrer Zerrissenheit, in ihren Ängsten, Ansprüchen und Hoffnungen.
Der Stoff ist brisant und sollte mehr als lehrreich sein für die aktuelle politische Situation. Haben wir gelernt? Werden wir noch lernen? - Der nationalistische Geist der Deutschen war drei Jahre nach Kriegsende nicht einfach verschwunden. Eine große Mehrheit bekannte sich zu ihrem "Volktum". Nicht unbedingt ideale Voraussetzungen für eine junge Demokratie. "Wir haben keine Alternative. Die Deutschen müssen leben", heißt es im Vorwort des vorliegenden Buches als Auszug der Rede von US-Militärgouvernerur Lucius Clay an amerikanische Erzieher in Deutschland. "Was sie mit diesem Potenzial tun, hängt davon ab, was es ihrem Herzen und ihrem Geist bedeutet. Auf Ihnen ruht die Verantwortung, dafür zu sorgen, dass ihre Herzen und ihr Geist es zum allgemeinen Wohl gebrauchen und nicht, wie bisher so oft, zu Angriffszwecken."
Endlich Frieden und doch Probleme zuhauf. Der Kalte Krieg ließ so manchen von einem Dritten Weltkrieg ausgehen. Nach der Währungsreform gab es in den Läden zwar endlich wieder volle Regale, bald darauf jedoch bei den Bürgern schon wieder leere Geldbörsen. Der Hunger war noch lange nicht verschwunden aus deutschen Mägen. Es gab sehr viel zu tun, doch die Sache mit der Demokratie gestaltete sich alles andere als einfach. Andererseits wurde die Bundesrepublik Deutschland gebraucht - von den drei westlichen Besatzungsmächten - als "Bollwerk gegen den Bolschewismus". Studenten gingen auf die Barrikaden, Professoren, die sich vor nicht allzu langer Zeit flammend zu Hitler bekannt hatten, spuckten plötzlich andere Töne. Entlassene Beamte wurden auch ohne weiße Weste wieder eingestellt, weil man irgendwann die Sache mit dem Nationalsozialismus endlich ruhen lassen wollte.
Ein furchtbarer Krieg und seine Folgen mussten irgendwie verarbeitet und eingeordnet werden. Ein Grundgesetz musste ersonnen, durchdacht und formuliert werden. Längst nicht jeder der international noch Jahre nach Ende des Hitler-Krieges allgemein als eher unsympathisch eingestufte Deutschen interessierte sich dafür, als es endlich erschien.
Alles in allem: Eine spannende, hoffnungsvolle und zugleich zutiefst verunsichernde Zeit. Ein gutes Buch.
Der Autor: Christian Bommarius, Jahrgang 1958, studierte Germanistik und Rechtswissenschaft. Nach journalistischen Stationen, etwa als Korrespondent beim Bundesverfassungsgericht, war er von 1998 bis 2017 Redakteur der Berliner Zeitung. Seit 2018 ist er Kolumnist der Süddeutschen Zeitung. Für sein publizistisches Werk wurde er mit dem Heinrich-Mann-Preis ausgezeichnet.
Christian Bommarius, 1949 - Das lange deutsche Jahr, Droemer-Verlag 2018, gebunden mit Schutzumschlag, 320 Seiten 19,99 Euro
Der Stoff ist brisant und sollte mehr als lehrreich sein für die aktuelle politische Situation. Haben wir gelernt? Werden wir noch lernen? - Der nationalistische Geist der Deutschen war drei Jahre nach Kriegsende nicht einfach verschwunden. Eine große Mehrheit bekannte sich zu ihrem "Volktum". Nicht unbedingt ideale Voraussetzungen für eine junge Demokratie. "Wir haben keine Alternative. Die Deutschen müssen leben", heißt es im Vorwort des vorliegenden Buches als Auszug der Rede von US-Militärgouvernerur Lucius Clay an amerikanische Erzieher in Deutschland. "Was sie mit diesem Potenzial tun, hängt davon ab, was es ihrem Herzen und ihrem Geist bedeutet. Auf Ihnen ruht die Verantwortung, dafür zu sorgen, dass ihre Herzen und ihr Geist es zum allgemeinen Wohl gebrauchen und nicht, wie bisher so oft, zu Angriffszwecken."
Endlich Frieden und doch Probleme zuhauf. Der Kalte Krieg ließ so manchen von einem Dritten Weltkrieg ausgehen. Nach der Währungsreform gab es in den Läden zwar endlich wieder volle Regale, bald darauf jedoch bei den Bürgern schon wieder leere Geldbörsen. Der Hunger war noch lange nicht verschwunden aus deutschen Mägen. Es gab sehr viel zu tun, doch die Sache mit der Demokratie gestaltete sich alles andere als einfach. Andererseits wurde die Bundesrepublik Deutschland gebraucht - von den drei westlichen Besatzungsmächten - als "Bollwerk gegen den Bolschewismus". Studenten gingen auf die Barrikaden, Professoren, die sich vor nicht allzu langer Zeit flammend zu Hitler bekannt hatten, spuckten plötzlich andere Töne. Entlassene Beamte wurden auch ohne weiße Weste wieder eingestellt, weil man irgendwann die Sache mit dem Nationalsozialismus endlich ruhen lassen wollte.
Ein furchtbarer Krieg und seine Folgen mussten irgendwie verarbeitet und eingeordnet werden. Ein Grundgesetz musste ersonnen, durchdacht und formuliert werden. Längst nicht jeder der international noch Jahre nach Ende des Hitler-Krieges allgemein als eher unsympathisch eingestufte Deutschen interessierte sich dafür, als es endlich erschien.
Alles in allem: Eine spannende, hoffnungsvolle und zugleich zutiefst verunsichernde Zeit. Ein gutes Buch.
Der Autor: Christian Bommarius, Jahrgang 1958, studierte Germanistik und Rechtswissenschaft. Nach journalistischen Stationen, etwa als Korrespondent beim Bundesverfassungsgericht, war er von 1998 bis 2017 Redakteur der Berliner Zeitung. Seit 2018 ist er Kolumnist der Süddeutschen Zeitung. Für sein publizistisches Werk wurde er mit dem Heinrich-Mann-Preis ausgezeichnet.
Christian Bommarius, 1949 - Das lange deutsche Jahr, Droemer-Verlag 2018, gebunden mit Schutzumschlag, 320 Seiten 19,99 Euro
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