Mittwoch, 29. November 2017

Lebensfreude entdecken mit einem liebevollen Begleiter auf der Entdeckungsreise zu sich selbst

"Entdecke dich selbst und finde dein Gück - Das kleine Buch für mehr Lebensfreude". Na, wenn dieses Büchlein von Diana Hochgräfe nicht ideal ist für meinen "Bücher-für-mehr-Lebensfreude"-Blog ...! Es ist ein schmaler Band. Auf dem Cover tut ein Schmetterling sich gütlich an einer gelben Blüte, die im Sonnenlicht leuchtet. Darunter der Titel: gelbe Schrift auf pinkfarbenem Untergrund. Das Buch lädt dazu ein, die eigenen Fesseln zu sprengen, sich von Begrenzungen zu befreien und das zu tun, was uns glücklich macht. Wenn ich nur wüsste, was genau das ist ...! Okay, dann begebe ich  mich also mal auf eine kleine Entdeckungsreise zu mir selbst und schlage das Büchlein auf.

Unsystematisch, wie ich zuweilen bin, beginne ich mit dem  Nachwort. Da schreibt die Autorin: "Ich war jahrelang auf der Suche, wusste jedoch nicht wirklich, wonach." Das kommt mir bekannt vor. Auch, was dann folgt: sich abhängig zu machen von der Meinung und dem Verhalten anderer Menschen, in Partnerschaften die eigenen Bedürfnisse zu vernachlässigen, sich verbiegen zu lassen ... Stattdessen vertraut Diana Hochgräfe heute darauf, dass alles, was geschieht, ihrem Besten dient und dem Wohle aller Beteiligten. - Das gefällt mir.

Also schlage ich die "kleine Anleitung zum Glücklichsein" nun ganz vorn auf. Da wartet schon wieder ein Schmetterling auf mich, als pinkfarbene Grafik dieses Mal. Und auch die Blüte zeigt sich, eine Seite weiter, erneut. Die beiden servieren mir Weisheiten, wie
  • Lebe, liebe, lache - genieße den Augenblick (weil jede Stunde kostbar und jede Minute einzigartig ist)
  • Sei mutig und glaube an dich (denn beim Sprung ins Ungewisse könne man letztlich nur gewinnen - an Selbstvertrauen, Erfahrungen, Erkenntnissen ...)
  • Übe dich in Gelassenheit (statt dich immer wieder selbst unter Druck zu setzen)
  • Bewerte und verurteile nicht (dann kann man sich - wie erleichternd! - ums eigene Wohlbefinden kümmern, statt sich über Dinge, Situationen oder andere Menschen den Kopf  zu zerbrechen
  • Sei einfach glücklich (auf ganz eigene Art und Weise)
  • ...
Es folgen Übungen zur Stärkung und Heilung der verschiedenen Chakren = Energiezentren sowie ein "Blick hinter die Kulissen". Gemeint sind die eigenen Ängste, Blockaden, Muster, Prägungen, Schmerzen ...

Natürlich gibt es etliche Bücher, die sich bereits mit dieser Thematik beschäftigen. Schön am vorliegenden Werk, als Weihnachtsgeschenk prima geeignet, sind
  • das lockere Layout, das schon für sich eine gewisse Leichtigkeit vermittelt 
  • die kurzen, inspirierenden, ermutigenden Texte und Heilungsimpulse mit daneben stehender Erläuterung, die man, immer wieder einmal und portionsweise, in kurzer Zeit lesen und bedenken kann
  • die positiven Affirmationen in pinkfarbener Schrift, die sofort ins Auge fallen, so dass wenige Sekunden genügen können, um für die nächsten Momente, Stunden, Tage wieder ein bisschen glücklicher zu sein ...
Die Autorin: Diana Hochgräfe ist Heilpraktikerin und Personal Trainerin. Sie hat immer mehr gelernt, Dinge zu hinterfragen, hinter die Kulissen zu blicken und ihr wahres Selbst zu leben. "Eindeutige Zeichen" seit Beginn des Jahres 2016 haben sie dazu gebracht, ihr brach liegendes Talent als Schreiberin zu nutzen und ihr erstes Buch zu verfassen.
Diana Hochgräfe, Entdecke dich selbst und finde dein Glück - Das kleine Buch für mehr Lebensfreude, Ellert & Richter Verlag 2017, Paperback, 120 Seiten.

Montag, 27. November 2017

Schreibratgeber über die Kunst, das Leben genießend Romane zu schreiben

Schon mal in ein weißes Blatt gesprungen? - "Der Sprung ins weiße Blatt" von Cornelia Jönsson widmet sich der "Kunst, Romane zu schreiben und trotzdem das Leben zu genießen". Wäre das nicht toll, wenn das wirklich ginge? Bei mir ist es seit Jahren so, dass ich endlich, endlich einen meiner angefangenen Romane zu Ende schreiben will oder sehr gern wenigstens wieder mal einen neuen beginnen würde, aber irgendwie komme ich nicht dazu. Also werfe ich einen Blick in das Buch. Könnte ja sein, dass es hilft ...!

Es hilft, zunächst einmal insofern, als das Lesen einfach gut tut. Vom ersten Kapitel - ein Vorwort gibt es nicht, aber dieses könnte als solches taugen - bin ich schon einmal begeistert. Die Autorin schreibt von ihrer Mutter, die liest und liest und liest. Man sieht sie beständig lesend vor sich, auf dem Sofa herumlümmelnd, während der Fernseher läuft, beim stundenlangen Föhnen ihrer längst trockenen Haare, beim Genuss einer "allerersten Seite in der herrlichen Stille, kurz bevor das Haus erwachte". Wen wundert es da, dass diese Mutter auch quasi immer schon schrieb. Und dass die Tochter sich, solange sie zurückdenken kann, danach sehnte zu schreiben, um nicht an ihrer "Fantasie zu ersticken", vor allem, als sie noch gar nicht schreiben konnte.

Das erste Kapitel endet, wie alle anderen, mit Vorschlägen für Übungen. Besondere Übungen, die mir gefallen, wie etwa
  • einen Text zu schreiben über die Unterstützung, die wir, unser Schreiben betreffend, durch andere Menschen erfahren haben - und schon fällt mir so manches ein, worüber ich dankbar sein könnte
  • darüber zu schreiben, was sich in meinem Leben verändern würde, wenn ich  nie wieder schriebe - ein erschreckender Gedanke!
  • die ganz persönliche Schreibformel zu entwickeln, basierend auf der Variablen Zeit - wobei ich lerne, dass die Zeit das geringste Problem sei, brauche man doch keine zehn Minuten, um, wild darauf losschreibend, eine Seite zu füllen, womit ich an einem 250-Seiten-Buch maximal 2500 Minuten lang schreiben müsste, was etwa einer einzigen 40-Stunden-Woche entsprechen würde - was für ein faszinierender Gedanke ...!

Ein tolles Buch - was nicht zuletzt an der Schreibe der Autorin liegt. Hier ein Beispiel: "Weißt du, wie es ist, in den Sonnenaufgang hinein zu schreiben? Weißt du, wie es sich anfühlt, die Nacht durchzuschreiben? Zu schreiben, während das Abendbrotgeschirr in fremden Wohnungen klappert, zu schreiben, während Vergnügungseifrige die Straßen entlang schlenderrn, zu schreiben, während in den Club die Türen öffnen, kleine Kinder sich auf leisen Sohlen ins elterliche Bett schleichen, Liebende erschöpft auseinander sinken, während die Nacht dunkel und traumschwer wird, die Straßen ruhiger, die Sterne heller, um im frühen Vogelkonzert vorm Erröten des Himmels dich selbst noch einmal zu einem letzten Höhenflug anzutreiben, bevor du dann, wenn dir die Sonne in die Augen sticht, ins Bett wankst, müde aber randvoll mit dem Glück der Schaffenden? Wie fühlt sich das an?" ... - Da sage noch mal jemand etwas gegen Bandwurmsätze ...!
 

Ernüchternd aber doch nicht entmutigend wirkt das Kapitel "Bei Wasser und Brot: Schriftsteller sein und trotzdem überleben".

Wann immer ich einen neuen Schreibratgeber lese und erkenne, wie sehr ich mich verwandt fühle mit der Seele anderer Schreibender, frage ich mich, wie man überhaupt leben kann, ohne zu schreiben ...! Und inzwischen - kleines Update zu dieser vor Jahren geschriebenen Rezension - schreibe ich mit Feuereifer an meiner Biografie, stehe kurz vor dem Abschluss und blogge darüber - in einem vielgelesenen Blog. :-)


Die Autorin: Cornelia Jönsson hat Theaterwissenschaft und Philosophie in Wien und Berlin studiert, außerdem Psychologie an der FU Hagen; Ausbildung zur systemischen Therapeutin. Die Walter-Kempowski- und Leonard-Franck-Preisträgerin ist Autorin von Romanen, Erzählungen, Sachbüchern, Theaterstücken und Dozentin für Kreatives Schreiben.

Cornelia Jönsson, Der Sprung ins weiße Blatt - Von der Kunst, Romane zu schreiben und trotzdem das Leben zu genießen, Autoren-Haus Verlag 2017, Hardcover, 218 Seiten, 19,99 Euro.

Freitag, 24. November 2017

Gesunde Ernährung für Kinder nach Hans-Ulrich Grimm - frische Lebensmittel statt knallbunter Chemie

Mitte der Achtziger, ich war 30 Jahre alt, kam ich zum ersten Mal mit dem Thema Vollwerternährung in Berührung. Bruker & Co. ließen grüßen. Sofort war ich fasziniert. Damals waren meine beiden Söhne Kleinkinder - ein guter Startpunkt, fand ich. Fortan blieb es ihnen ebenso wenig wie ihrem Vater erspart, mit gesunder Kost konfrontiert zu werden. Da war so mancher Kampf vorprogrammiert und - ich muss es leider gestehen - hängen geblieben ist nicht gar so viel. Hätte es aber müssen, wenn das stimmt mit "early programming", was bedeutet, dass man im Kindesalter von den Eltern ein lebenslang gültiges Essverhalten übernimmt. Schwierig allerdings, wenn es da zwei konträr denkende und handelnde Vorbilder gibt ...!

In seinem Buch "Gummizoo macht Kinder froh* - * krank und dick dann sowieso - Kinderernährung - was gut ist und was schädlich" befasst Nahrungskritiker Dr. Hans-Ulrich Grimm sich eingehend mit dem Thema kindlicher Ernährung. Nie zuvor sind Kinder so früh mit industriell gefertigter Nahrung in Kontakt gekommen wie heute, buhlen Lebensmittelkonzerne so stark darum, schon sehr junge Kunden an sich zu binden. Nie zuvor wurden Eltern so nachhaltig mit widersprüchlichen bis falschen Ernährungsempfehlungen in die Irre geführt. Der Autor empfiehlt, sich zu wehren und Kindern gesunde,altersgerechte, nichtindustriell verarbeitete Lebensmittel anzubieten und darauf zu vertrauen, dass selbst Babys schon entscheiden können, was und wieviel gut für sie ist. Wer kennt nicht das Bild des mit Milch aus der Flasche abgefüllten Säuglings, der weitere Nahrung längst deutlich verweigert, und doch immer wieder den Sauger in den Mund geschoben kriegt.

Das Buch ermuntert unter anderem dazu,
  1. in Sachen Ernährung das Kind der Chef sein zu lassen
  2. Fastfood, auch aus dem Babygläschen, grundsätzlich in Frage zu stellen
  3. unsere Kinder vor falscher Programmierung durch industrielle Nahrung zu schützen
  4. dem Immunsystem kein falsches Futter zu geben - oder warum Flaschenkinder doppelt so oft ins Krankenhaus müssen wie gestillte Kinder
  5. Milch für Kinder nicht mit Milch für Kälber zu vertauschen und gründlich darüber nachzudenken, ob man dem Nachwuchs wirklich H-Milch zumuten möchte
  6. Experten-Meinungen zu misstrauen, denn wie leicht könnten sie gekauft sein
  7. coole Jungs vor einer Säuferleber durch zu viel Zuckerkonsum zu bewahren
  8. die Wirkung von Nahrung auf die Intelligenz zu beachten - oder was schlechtere schulische Performance mit westlichen Ernährungsmustern zu tun hat
  9. die Bedeutung der eigenen Ernährung in der Schwangerschaft richtig zu werten
  10. verborgenen, unterschwelligen Stress durch Fast- und Fakefood, Nährstoffkrise und anderweitig falsches Essen aufzuspüren
  11. künstliche Vitamine zu meiden - dazu kann auch Vitamin D gehören
  12. die Kinder, und damit wären wir wieder bei Punkt 1, die Sache selbst in die Hand nehmen und nach Lust und Laune essen zu lassen
Der Autor: Dr. Hans-Ulrich Grimm ist Journalist und Autor. Er plädiert dafür, sämtliche Erzeugnisse aus der Lebensmittelindustrie zu boykottieren und stattdessen frische Ware von Märkten und Bauern zu konsumieren. Seine Erkenntnis: Genuss und Gesundheit gehören zusammen.

Hans-Ulrich Grimm, Gummizoo macht Kinder froh, Klappenbroschur, Droemer-Verlag 2017, 320 Seiten, 18 Euro.

Donnerstag, 23. November 2017

Therapeutischer Umgang mit Krisen - "Der Schöpferische Sprung" von Verena Kast

Haben Sie schon einmal von einem Leben ohne Krisen gehört? Ich nicht. Wenn in meinem eigenen Leben mal wieder eine mehr oder weniger heftige Krise ausgebrochen ist, tröste ich mich als erstes und fast automatisch mit dem Allgemeinplatz: "In jeder Krise steckt eine Chance." Das hilft, aber oft nur für den Moment. Was, wenn man/frau mehr braucht? Dann könnte ein neues Buch zur Seite stehen: "Der schöpferische Sprung" von Verena Kast. Es handelt vom therapeutischen Umgang mit Krisen.

Das Schwierige an einer tiefen Krise ist ja, dass einem plötzlich fast alles sinn- und aussichtslos erscheint. Ein guter Ausweg? Nicht in Sicht. Eine hilfreiche Strategie? Fehlanzeige. Stattdessen Leere im Gehirn und negativ besetzte Überfülle in der Seele. Nicht zuletzt, weil man ahnt, dass vieles sich ändern wird und muss. Eine Neuorganisation steht an, gewöhnlich mit Angst verbunden. Man muss sich schließlich eingestehen: Mein bisheriges Verhalten passt jetzt einfach nicht mehr. Ich brauche eine Veränderung, eine kreative Idee oder gleich mehrere. Kurz gesagt: Ich brauche den schöpferischen Sprung!

Dr. Verena Kast, Professorin für Psychologie und Psychotherapeutin in eigener Praxis, beschreibt in ihrem Buch anhand vieler Fallbeispiele, wie Psychotherapeutinnen und Analytiker Menschen in Krisensituationen begleiten, um ihnen zu helfen, die in der Krise liegenden Entwicklungsmöglichkeiten zu nutzen. Dazu ist es wichtig, den Auslöser der Krise ebenso herauszuarbeiten wie die tieferen Zusammenhänge und damit den Sinn der aktuellen Situation. Da ist zum Beispiel dieser maßlos wütende Mannn, der seit zwei Tagen weiß, dass seine Frau einen Freund hat. Er kann nicht mehr schlafen, kann nicht mehr essen. Und findet erst im Gespräch heraus, wovor er eigentlich Angst hat: "Sie verlässt mich - ich werde alt sein - niemanden mehr haben, der nach mir schaut - ich werde vertrocknen - ich habe keinen Gesprächspartner mehr."

Das Buch ist für Fachleute ebenso gedacht wie für Betroffene und deren Angehörige. Die Neuauflage des Buches wurde ergänzt um ein Kapitel, das auf positive Veränderungen und Entwicklungen aufmerksam macht, die eintreten können, wenn man sich Krisen mutig stellt.

Die Autorin: Dr. Verena Kast ist Dozentin und Lehranalytikerin am C.-G.-Jung-Institut Zürich. Sie hat zahlreiche Werke zur Psychologie der Emotionen, zu Grundlagen der Psychotherapie und zur Interpretation von Märchen und Träumen verfasst.

Verena Kast, Der schöpferische Sprung - Vom therapeutischen Umgang mit Krisen, Patmos-Verlag 2017, 232 Seiten, Paperback, 18 Euro.

Mittwoch, 22. November 2017

Vergebung, Entschuldigung, Verzeihen als Weg, um Herzschmerzen zu heilen

Verzeihen - welch komplexes Thema!

Es wäre ja wirklich schön, man würde sich so verhalten, dass man sich nie zu entschuldigen bräuchte. Also bemühe ich mich, möglichst nett, offen, fair, interessiert und verständnisvoll mit meinen Mitmenschen umzugehen. Was oft, aber längst nicht immer gelingt. Ist dann eine Entschuldigung angesagt, so geht mir ein ernst gemeintes "Sorry!" noch schnell und leicht über die Lippen. Das genügt aber nicht immer. Geschieht ein Streit in Wut oder gar Verzweiflung, bin ich selbst zu einem "Sorry!" zunächst gar nicht in der Lage. Bei einem ernsthaften Disput spüre ich, wenn der Zorn vorüber ist,  große Erleichterung, wenn mein Gegenüber meine Entschuldigung offenen Herzens annehmen kann. So können - auf Augenhöhe - beide Seiten aufatmen und den Kopf weiterhin oben tragen. Was gut tut, aber nicht immer machbar ist. Man/frau kann sich da selbst arg im Weg stehen.

In ihrem Buch "Versuch's mal mit Entschuldigung - Wie Versöhnung kleine und große Herzschmerzen heilt", zeigt Harriert Lerner, was man alles falsch machen kann in Sachen Vergebung. Warum es einigen Menschen, oft über viele Jahre hinweg, so schwer fällt, aus vollem Herzen "Verzeih mir!" zu sagen. Wie man die eigene Bitterkeit überwinden kann, wenn das Gegenüber die Wirklichkeit verdreht und uns die Schuld zuschiebt. Aber auch, wie heilsam eine Entschuldigung sein kan und was man konkret(!) tun kann, wenn man eine schmerzvolle Erfahrung gemacht oder einem anderen Menschen Schmerz zugefügt hat.

Wussten Sie, dass es verschiedene "Entschuldiger-Typen" gibt? Der notorische Nicht-Entschuldiger gehört ebenso dazu wie der "Zu-viel-Entschuldiger". Die Autorin geht der Frage nach, warum gerade die Menschen mit den schlimmsten Vergehen am wenigsten ihre Schuld eingestehen können. Sie rät dazu, dem Druck einer halbherzigen Entschuldigung zu widerstehen. Friede, Freude, Eierkuchen um jeden Preis ist also nicht die Lösung.

Obwohl die Autorin sich seit rund 20 Jahren mit der Thematik beschäftigt, ist auch sie vor Schwierigkeiten nicht gefeit: "Bei meinem Mann Steve entschuldige ich mich gern nur für das, was ich als meinen Anteil an einem Problem sehe, und erwarte zugleich von ihm, dass er sich für das entschuldigt, was ich als seinen Part betrachte. Man kann sich vorstellen, dass wir uns da nicht immer einig sind."

Das Buch richtet sich nicht nur an  Menschen, die verzeihen lernen möchten,sondern auch an die, die verletzt wurden und die Erfahrung machen, dass die andere Seite "es einfach nicht kapiert". Ihnen zeigt sie Wege auf, um den Ton eines Gespräches von sich aus zu ändern und so zum "Schuldigen" durchzudringen. Es zeigt aber auch, dass die Herausforderng von Entschuldigung und Versöhnung ein Tanz ist, der zwischen mindestens zwei Personen stattfindet. Und bei solch einem Tanz tritt man dem anderen eben nur allzu leicht auf die Füße.

Die Autorin: Harriet Lerner, Psychologin in eigener Praxis, ist Bestseller-Autorin - mit über 3 Millionen verkauften Büchern. Regelmäßig schreibt sie für das Magazin New Woman. Ihr Buch "Wohin mit meiner Wut" wurde in 35 Sprachen übersetzt. Sie ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne.

Harriet Lerner, Versuch's mal mit Entschuldigung - Wie Versöhnung kleine und große Herzschmerzen heilt, Verlag Knaur Balance 2017, 224 Seiten, 16,99 Euro.

Dienstag, 21. November 2017

Der Team-Entwickler - Gemeinsam gewinnen lernen

Im früheren Leben, als ich noch nicht freiberuflich arbeitete, fand ich mich in einigen Teams wieder - und auch wieder nicht. Ich halte mich für teamfähig, dennoch lief es nicht rund. Ob es besser gegangen wäre, wenn meine damaligen Chefinnen das Buch "Der Team-Entwickler" von Jens Corssen, Stefan Gröner und Stephanie Ehrenschwendner gelesen und die Erkenntnisse daraus angewendet hätten. Aus meiner Sicht bestimmt, denn was ich da so lese, deckt sich in großen Teilen mit dem, was auch ich über Teamentwicklung denke. Ich hätte vielleicht lieber Chefin werden sollen, um es anwenden zu können - immerhin ist das Führen von Mitarbeitern eine vielschichtige Herausforderung, die mich durchaus gereizt hätte. Dann hätte ich sicher mit dem Gedanken angefangen, die Stärken meines Teams in den Fokus zu stellen anstatt dauernd an dessen Schwächen herumzumäkeln ...

Spaß beiseite. Hin zum Buch. "Gemeinsam gewinnen lernen" lautet der Untertitel des sehr menschlich und unterhaltsam geschriebenen, dialogreiche Werkes, das erstanlicherweise mit dem IV. Quartal beginnt. Da wird Schwarzwälder Kirschtorte gegessen, weil man sonst den Workshop nicht durchsteht. Da wird ein Body-Check vorgeschlagen, zu dem man sich aus stürmischen Verhandlungen zurückzieht, um das Gehirn runterzukühlen, den Kampfmodus zu verlassen und so zum Boss über die eigenen Gedanken zu werden. CEO Ralf Hübner wird als Change-Manager vorgestellt, der kein Rausschmeißer sein will. Teamspirit soll gefördert werden. (Schon interessant, wie aus dem Mannschaftsgeist mit der Zeit zuerst der Teamgeist und nun der Teamspirit geworden ist ... ob das die Sache leichter macht?)

Die Lerninhalte des Buches sind in eine Geschichte rund um die Teamentwicklung in einem Verlag verpackt, bei der Leser und Leserinnen hautnah dabei sind beim täglichen Kleinkrieg, bei Missverständnissen, Chancen trotz Schwächen, guten Ansätzen und Fehlverhalten und manchem mehr. Mit locker-flockigen Worten endet die emotionsgeladene Geschichte: "Er rückte die Krawatte zurecht und machte sich mit einem Lied auf den Lippen auf den Weg in den Konferenzraum: "You'll never walk alone." Wer das auch so sieht oder sehen möchte, braucht ein gutes Team. Das vorliegende Buch unterstützt die Teamentwicklung unter anderem durch
  • Kurz&bündig-Zusammenfassungen für Team-Entwickler und Team-Mitglieder
  • die Toolbox des Teamentwicklers, die in Übersichten die Merkmale der acht Rollen (Leader, Graue Eminenz, Diva, Altstar, Resignierter ...), ihre Chancen und Risiken sowie die möglichen Maßnahmen zur Entwicklung des  Teammitglieds stichwortartig zusammenfasst 
Die Autoren:
Jens Corssen, Diplompsychologe und Verhaltenstherapeut, ist gefragter Coach für Persönlichkeitsentwicklung und Zielerreichung im Management.
Stefan Gröner, ehemaliger Top-Medienmananger und Handball-Bundesliga-Profi, Change-Manager, Strategieberater und Vortragsredner, lehrt als Professor für Unternehmenskommunikation an der Hochschule Fresenius in Müchen.
Stephanie Ehrenschwendner arbeitete jahrelang in leitenden Positionen im Verlagswesen und ist heute als frei Autorin, Beraterin und Coach für Autoren und Verlage tätig.
Corssen, Gröner, Ehrenschwendner, Der Team-Entwickler - Gemeinsam gewinnen lernen, Knaur-Verlag 2017, gebunden mit Schutzumschlag, 288 Seiten, 17,99 Euro.

Sonntag, 19. November 2017

Strickanleitungen: Einfach Lacemuster stricken - Tücher, Kleidung und mehr

Mögen Sie es lieber grob oder hauchzart? Grobe Maschen sind seit einer Weile in, aber der Gegenpart lebt eben auch. Das Buch "Einfach LACE stricken - hauchzarte Tücher, Kleidung und mehr" von Michaela Drosten lädt ein zu zarten Maschen.

Gleich im Vorwort wird über die positiven Wirkungen des Strickens berichtet:
  • senkt den Blutdruck
  • baut Stress ab
  • stärkt Selbstvertrauen, Kreativität und logisches Denken
Na, wenn das kein Grund ist ...!

15 Strickanleitungen in drei Schwierigkeitsgraden warten darauf, umgesetzt zu werden. Nach ein paar Basics geht es auch schon los. Gleich das zweite Modell, der Kuschel-Cowl Résia, Schwierigkeitsgrad: einfach, wirkt auf mich allerdings gar nicht zart. Wie auch - bei Rundnadelstärke 15?! Zarter ist da schon das Dreieckstuch Marielena, bei dem das geometrische Lacemuster nur auf einer Seite gestrickt wird. Interessant ist das schräggestreifte Tuch, bei dem kraus rechts gestrichte Partien mit dem Lacemuster wechseln und für einen kontrastreichen Look sorgen. Süß ist das Sommer-Top Silandra, glatt rechts gestrickt, mit einem Lacemuster als Abschlussbordüre. Toll für Fortgeschrittene: das Blattmuster-Tuch Montani. Alles in allem:  nicht so hauchzart, wie man beim Lesen des Titels denken könnte, aber das eine oder andere  neue Lieblingsstück könnte dabei sein.

Die Autorin: Michaela Drosten strickten ihre ersten Pullover schon im Alter von sieben Jahren. Ihre Leidenschaft machte sie als diplomierte Ingenieurin für Bekleidungstechnik zum Beruf. Später gründete sie ein Handarbeitsgeschäft. Mehr über sie gibt es unter www. atelyeah.info.

Michaela Drosten, Einfach LACE stricken, Edition Michael Fischer 2017, 96 Seiten, 16,99 Euro.